Interview mit Herbert Schmaus

Sie waren schon vor Ihrer Vorstandschaft der Nachbarschaftshilfe verbunden. Was hat Sie damals motiviert?
Wir leben seit 1969 in Baldham und meine Frau ist Gründungsmitglied der Nachbarschaftshilfe. Dadurch war ich der Einrichtung von Anfang an verbunden. 2000 bin ich selbst Mitglied und gleichzeitig in den Vorstand gewählt geworden – zunächst als Schatzmeister, später sieben Jahre als Vorstandsvorsitzender.

Welche prägende Erfahrung verbinden Sie mit Ihrer Zeit im Vorstand?
Die Gründung der Tafel. Bis dahin traf der Vorstand Entscheidungen immer einvernehmlich. Ein Mitglied war entschieden dagegen – es sei bei uns nicht nötig. Ich habe gesagt: „Auch in einer vermeintlich wohlhabenden Gemeinde gibt es Menschen, die Hilfe brauchen.“ Dazu zitierte ich Bertolt Brecht: „Die einen leben im Dunkeln, die anderen im Licht. Die im Licht Lebenden sieht man, die im Dunkeln nicht.“ Das war ein Moment, der zeigte, dass soziale Herausforderungen Mut erfordern.

Wie erleben Sie das Miteinander in der Nachbarschaftshilfe?
Von der ersten Minute an spürt man ein starkes Wir-Gefühl. Besonders beeindruckend sind die Pflegekräfte, die auf hohem fachlichen Niveau arbeiten. Noch wichtiger ist jedoch die Leidenschaft und der Zusammenhalt, intern wie nach außen.

Was hat Sie über all die Jahre motiviert, sich sozial zu engagieren?
Das kommt aus meinem Elternhaus. Wir hatten ein einfaches, intaktes Umfeld, in dem soziale Verantwortung gelehrt wurde. In meinem Berufsleben, zuletzt als Vorstandsvorsitzender der AOK Bayern, konnte ich diesen Dienst am Menschen fortführen. Bei der Nachbarschaftshilfe bestätigt sich immer wieder, dass Engagement Wirkung zeigt.

Welche Rolle spielt das Ehrenamt?
Unverzichtbar. Eine Gesellschaft lebt davon, dass Menschen sich ehrenamtlich engagieren. Nicht alles kann staatlich geregelt werden. Vereine wie die Nachbarschaftshilfe müssen sparsam wirtschaften und alle Kräfte bündeln. Von Anfang an gab es engagierte Ehrenamtliche, vor allem Frauen, die bei der Essensversorgung und anderen Aufgaben geholfen haben. Ohne sie wäre die Nachbarschaftshilfe nicht das, was sie heute ist. Ehrenamt bereichert die Gemeinschaft und die eigene Persönlichkeit.

Wie haben sich die Angebote der Nachbarschaftshilfe entwickelt?
Angefangen hat es mit Pflege, Familienhilfe, Hauswirtschaft und Essen auf Rädern. Später kam der Kinderpark hinzu. Ich habe über all die Jahre hinweg gespürt, dass die Nachbarschaftshilfe als wichtige und geschätzte Einrichtung wahrgenommen wird. In der Anfangszeit gab es etwa 200 Mitglieder, heute sind es über 3.000. Auch die hohe Spendenbereitschaft spricht für sich. Menschen unterstützen dort, wo sie sehen, dass ihre Hilfe sinnvoll eingesetzt wird.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Nachbarschaftshilfe?
Dass sie ihren Auftrag weiterhin erfüllen kann: den Bürgerinnen und Bürgern bestmögliche Unterstützung zu bieten, selbst wenn Mittel knapper werden. Gäbe es die Nachbarschaftshilfe nicht, müsste man sie erfinden – sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil des sozialen Gefüges unserer Gemeinden, und die Nachfrage nach ihren Diensten wird mit der demografischen Entwicklung weiter steigen.

 

Die Nachbarschaftshilfe lebt von der Unterstützung ihrer Mitglieder. Bereits ab einem Euro pro Monat ist eine Mitgliedschaft möglich. Mit ihrem Beitrag helfen die Mitglieder dabei, wichtige soziale Angebote und Dienstleistungen in den Gemeinden Vaterstetten, Zorneding und Grasbrunn langfristig zu sichern und weiterzuentwickeln. Jetzt Mitglied werden!